Umsteuern

Es war in so einem seltsamen Zwischen-Zustand, dass ich am 2.3. in einem kleinen Koelner Hotel in der Schlange stand weil ich etwas von der Rezeption wollte.* Da fiel mir eine Zeitschrift in die Hand, die Eure Anzeige enthielt: Statt Kirchensteuer*-zahlen u.a. eine Beratungsstelle unerstuetzen, die Betroffenen von Missbrauch in der Kirche hilft. Wunderbar! Jetzt habe ich gerade noch einmal ein paar Dinge nachgelesen und erinnere mich wie mir damals war, als ich von Exerzitien zurueckkam und beim Aussteigen aus dem Zug, mein linker Fuss sagt: Katholisch werden – und der rechte zog nach: Aber nur fuer eine bestimmte Zeit. Das sagt schon etwas ueber meinen Widerwillen auf der anderen Seite, und den Eindruck von (spiritueller) Notwendigkeit auf der anderen. Das war im Dezember 1986. Nach meiner Firmung in der kleinen Hochschulgemeinde in Muenchen sagte mir ein junger Jesuit, so haette er das Glaubensbekenntnis noch nie gehoert. Ich hatte in einer kleinen Predigt ueber manche der Machtmissbraeuche der Kirche gesprochen, die ich sah.

In den folgenden Jahren studierte ich fuer mich alleine Theologie um, wie ich es sah eine neue Weltkarte fuer mich zu erstellen, nach einer Erfahrung im November 1985 im feministischen Psychodrama. Eigentlich brauchte es ja nach Karl Rahner’s klarer Philosophie gar keine Theologie mehr, aber fuer meine Ausrichtung musste ich noch etwas klaeren…

Bei den Seminaren, die ich an der Jesuiten-Hochschule belegte, war mir wichtig, nicht auf eine Pruefung unter Kirchenrecht hinzuzielen, sondern nur ein paar ‘Scheine’ zu machen, die ich spaeter irgendwo verwenden wuerde. Das hatte ich fast vergessen…

Mein Einkommen war damals so gering und immer wieder durch Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen, dass mir die Kirchensteuer erstmal kein Problem machte.

Nun lebe ich seit 1994 (mit einer 3-jaehrigen Unterbrechung ab 1996) in Grossbritannien, wo sich das Problem nicht stellt: Es gibt keine Kirchensteuer. Aber in den Jahren wo ich zur Messe ging und die Kollekte an mir vorbeikam musste ich oft an den Satz der feministischen Theologin Mary Hunt denken, den ich sie ca 1988 in Bad Boll hatte sagen hoeren: “Wir haben so lange eingezahlt, jetzt ist es Zeit etwas rauszunehmen.” Der Saal voller zumeist lesbischer Frauen bebte mit dem Lachen. Nun, ich habe nie aus der Kollekte geklaut, aber im uebertragenen Sinn habe ich weiter darauf geachtet, von den Machtstukturen unabhaengig zu bleiben…

Jetzt kommt es mir vor, dass mit Eurer Initiative mein Kircheneintritt im Nachhinein gerechtfertigt ist…

(wird fortgesetzt)

joy pervades

beyond memory

being recognised

*hatte zweimalin zwei Wochen meine geplante Rueckkehr nach Hause, nach England, verschieben muessen: Zuerst wegen Hochwassers ganz nah bei meiner Behausung in den East Midlands und dann wegen eines pos. covid tests. der aber schon nach 12 Std. ueberholt war, – nachdem ich bereits alle Buchungen geaendert hatte. 🙄😆

written for https://www.ksta.de/koeln/unabhaengige-anlaufstelle-koeln–leuchtzeichen–will-opfern-von-missbrauch-helfen-39524188

*Kirchensteuer is a unique (?) German phenomenon going back to the Nazi period I believe: Church contributions, at least for the main denominations – Lutheran and RC – are deducted from income by the state together with tax at a set rate, depending on income. The only way to avoid that is a personal declaration at the Registrar’s Office that a person does not wish to belong to said Church (any longer).

~ by Barbara S on March 19, 2022.

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